Der zweite Tag: Melides – Furnas

Bevor ich hier von meinen heutigen Erlebnissen erzähle, muss ich mal eine Sache voraus schicken, die mir seit gestern durch den Kopf geht: ich danke an dieser Stelle meiner Familie, aber besonders meiner Frau sehr dafür, dass sie mich dieses Abenteuer unternehmen lässt. Denn was für mich eine große Herausforderung ist, ist für die Daheimgebliebenen auch nicht ohne: meine Tochter Emilia (und neben ihr alle anderen Kinder, aber sie besonders) muss auf ihren Vater verzichten, auf das tägliche Kuscheln, Vorlesen und ins Bett bringen (ich vermisse das zwar auch, aber ich habe ja derweil so viele neue Eindrücke).

Und Lydia muss den ganzen Alltag, angefangen von Kindererziehung, -Organisation und alltägliche Probleme anhören (ggf. auch lösen), alleine bewältigen! Da fehlen unsere täglichen intensiven Gespräche doch sehr. Der Austausch über WhatsApp kann darüber nicht hinweg täuschen.

Also an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön, dass ihr und du mich gehen lasst! 🙏💗

Nun aber zur heutigen Tour. Beginnen möchte ich mit der Erkenntnis, dass das Leben Geschenke macht, die es als Probleme verpackt. Ich habe heute mehrere Geschenke bekommen, habe aber noch nicht alle auspacken können. Das erste Problem war die Kälte in der Nacht. Mein Schlafsack hält nur bis 8*C gut warm. Es wurde aber in die 5*C:

Zum Glück habe ich das erst nach der Nacht gesehen. So schlief ich zwar etwas unruhig, aber trotzdem bis 6 Uhr früh durch. Der kälteste Punkt ist immer mein Po. Wenn ich auf dem Rücken liege, bleibt er an wärmsten. Also habe ich das die meiste Zeit der Nacht gemacht.

Dann gab es einen wunderschönen Sonnenaufgang und zum Frühstück Müsli:

Gegen 8 Uhr bin ich losgeradelt. Nach ca 2,5 h habe ich eine Pause im Café gemacht. Hier konnte ich mich um das nächste Problem kümmern, ohne es jedoch dauerhaft zu lösen: ich navigiere ja nur mit dem Handy. Daher brauche ich auch zuverlässig Strom. Im Wald, wo ich übernachtet habe und auch immer wieder werde, gibt es leider keine Steckdose. Also muss ich unterwegs laden. Dafür hat mein Fahrrad einen USB Port, der vom Nabendynamo gespeist wird. Leider reicht bei laufender Navigation mit Aufzeichnung der Strom nicht aus, das Handy voller zu laden. Es wird nur langsamer leer, aber es wird leerer. Also ging es im Café erstmal darum, Handy und Akkupack aufzuladen. Daher auch fast 1,5h Pause bei Café und Croissant. Damit ist das Problem aber noch nicht dauerhaft behoben, denn ich möchte nicht jeden Tag eine „Ladepause“ einlegen. Eventuell muss ich mir noch ein Solarpanel besorgen. Leider habe ich das Angebot des Freundes meiner Tochter, sein Solarpanel mitzunehmen, großzügig ausgeschlagen. Manchmal muss man (ich) auf die harte Tour lernen…

Mittags gab es das absolute Highlight des Tages: baden im Atlantik [editiert, zuvor Mittelmeer]:

Eine wunderbare Landschaft mit Sandstränden und Felsklippen tat sich vor mir auf. An dieser Küste durfte ich kilometerweit entlangradeln – phantastisch!

Damit ich nicht ganz übermütig würde (und nachdem ich zuvor gegenüber einer Kollegin geprahlt hatte, dass das Radeln jeden Tag besser wird), kam auf dem Europa Radweg #1 auf einmal ein Abschnitt mit richtig tiefem Sand, in dem ich mein Fahrrad kaum und wenn dann nur in Schlangenlinie geschoben bekam:

Das war eine echte Demutsübung. Nach 4km hab es endlich einen „Ausstieg“ in Form eines Schotterweges zu einem Campingplatz, den ich ohne großes Nachdenken nutzte. Die letzten 10 km schöne Steilküste schenkte ich mir zugunsten einer rasanten Fahrt in Richtung meines Tagesziels Milflores. Es wurde schon spät und ich sollte mir einen Schlafplatz suchen. An der Stadt vorbei durchs Flusstal ging es weiter nach Süden. Nun habe ich etwas abseits der Hauptstraße einen Platz in Hörweite des Meeres gefunden:

Zweimal haben sich schon Autofahrer in meiner Nähe versucht auch heimlich zum campieren hinzustellen, beide sind wieder weg gefahren. So hoffe ich auch heute Nacht gut und sicher schlafen zu können. Gute Nacht!

https://www.komoot.de/tour/t29679040?ref=atd

4 Antworten auf „Der zweite Tag: Melides – Furnas“

  1. Herzlichen Glückwunsch zum wirklich geglückten Anfang, Dirk – das gibt Kraft und Zuversicht.
    Alles Gute – grüß mir das weite Meer!!!
    Eva-Maria

  2. nenn mich pingelig, aber das, worin du vorhin gebadet hast, ist nicht das Mittelmeer, sondern der Atlantik … 😉
    ich wünsch dir wärmere nächte und weiterhin gute reise – grüß mir das meer, wenn du das nächste mal reinspringst!
    martina

    1. Du hast ja so recht! Das ist der Atlantik 🤦‍♂️. Ich hoffe, dass ich nicht häufiger so daneben liegen werde und ihr an meiner Orientierung zweifeln dürft. Na, wenigstens muss ich beim Meer nicht mehr umdenken, denn wenn es bei meiner Planung bleibt, werde ich ja auch nie das Mittelmeer sehen, sondern nur den Atlantik!

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