10. Tag: Zahora – Tarifa

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt oder

Der Mensch denkt und das Große und Ganze lenkt!

Schon gestern Abend machte mich ein komisches Rascheln ganz unruhig. Erst dachte ich an irgendein Tier, was sich unter meinem Zelt ausgrub. Dann stellte ich aber fest, dass meine Therm-a-Rest – Matte anfing, eine Blase zu schlagen. Im Fachjargon heißt das „delaminieren“ und, wie ich in online Foren lesen konnte, kommt mit großer Sicherheit bei jeder dieser Matten früher oder später vor. Bei mir war jetzt der Zeitpunkt erreicht 😱.

Doch wie weiter? Die Firma Cascade Design gibt lebenslange Garantie auf ihre Matten, soll heißen, man bekommt ohne Kassenbon einen Ersatz zugesandt. Nur wohin? Ich schrieb gestern Abend noch eine Email an die Firma und diese antwortete heute Nachmittag, ich solle ihr eine sichere Adresse, am besten in Spanien mitteilen, sie würden mir eine Ersatzmatte in 7-10 Tagen dorthin liefern. Tja, wer weiß, wo ich in 7-10 Tagen bin und eine sichere Adresse habe ich auf dieser Tour nirgends. Also schrieb ich, die sollen mir diese bitte nach Hause schicken und machte mich parallel auf die Suche nach einer neuen Matte. Von Zahora bis Tarifa gibt es, wie ich später erfuhr, keinen Laden, der Isomatten verkauft. Beim googeln stieß ich aber auf die Website von Chris und Sabine aus Deutschland, die Outdooraktivitäten anbieten. Über ihre Seite schrieb ich sie an und am Nachmittag, kurz bevor ich Tarifa erreichte, rief mich Chris zurück und sagte mir, dass er bis vor ein paar Jahren den einzigen Shop in Tarifa mit Campingequipment betrieb, diesen aber schon lange zugemacht hatte. Aber er habe sich selber vor ein paar Monate eine neue Matte von Mammut gekauft und seither nur einmal benutzt und er würde mir diese verkaufen. Er könne sich ja einfach eine neue bestellen. Ja, so pragmatisch kann mensch sein. So kam ich zu meiner neuen Matte, verpasste aber wegen der Übergabe die 17 Uhr Fähre nach Marokko und wollte nicht erst um 19 Uhr abfahren, um ab 19:30 Uhr aus Tanger hinaus zu fahren und mir dann noch einen sicheren Schlafplatz suchen. Also stieg ich im South Hostel Tarifa für 12€/ Nacht ab und hatte noch dazu eine saubere, warme Dusche, die ich echt nötig hatte, wie ihr weiter unten erfahren könnt!

Aber nun mal der Reihe nach, denn der Tag hatte auch sonst noch einiges berichtenswertes zu bieten. Es war der Tag der Bergwertungen. Derer gab es heute drei mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden: als ich den Strand auch aufgrund des Tipps in den Kommentaren von Martina vor dem Leuchtturm von Trafalgar verließ, war ich erstmal froh, bei diesigem, frischem Wetter einfach nur die Straße herunter zu fahren. Aber schon nach dem ersten Ort Los Canos de Meca sollte es in die Berge des Naturparks von Barbate gehen.

Und der Anstieg war in komoot mal wieder gelb markiert, was mich schon etwas aufhorchen ließ. Ich hatte ja so meine Erfahrungen… Und es war ein heftiger, langer Anstieg, bei dem ich ordentlich ins Schwitzen kam (Kleiderwechsel inbegriffen). Die Abfahrt nach Barbate war wild und kühl, also wieder anplünnen! Unten habe ich mich erstmal im Café an der Uferpromenade über Tarifa schlau gemacht (Fähre und Outdoorshop s o) und meine Wasserflaschen von der freundlichen Wirtin auffüllen lassen.

Eine recht gemütliche Küstenstrasse führte an einem Militärgebiet vorbei, in dem die Soldaten mit ihren schweren Tornistern und Gewehren im Gelände maschieren mussten, nach Atlanterra. Hier ging es nach Süden durch das „Neubaugebiet“ mit den steilen Straßen hinaus in die wilden Berge – ohne jegliche Straße und Wege!

Erst war es noch eine Treckerspur…

….später wurde es dann zu einem reinen Flussbett, bei dem ich manchmal vor Schlamm und Steinen nicht wusste, wo lang und wie soll ich mein schwer beladenes Fahrrad dort hoch bekommen?! Ich bin fast verzweifelt…

Endlich oben angekommen, war ich zum zweiten Mal heute völlig durchgeschwitzt!

Dafür gab es auch einen schönen Ausblick auf die am Fuße liegende Dünen…

…und ein wenig Aufklärung zur Bedeutung des Gebietes:

Eine rasante Abfahrt mit z T 55km/h führte direkt in die dritte Bergwertung, die sich durch den höchsten Punkt und den besonders langen, dafür nicht so steilen Anstieg auszeichnete. Hier war dann 40 min Fahrt im ersten Gang angesagt. Irgendwo da oben würde ich dann den Pass überqueren:

Am Ende war ich fast in den niedrig hängenden Wolken angekommen:

Auch hier gab es etwas Kultur zu sehen: ein steinernes Grab aus dem Frühmittelalter (8-10 Jhd):

Außerdem noch einen gemütlichen Aussichtspunkt, den ich aber links liegen ließ:

Auf dem höchsten Punkt des Tages schien dann auch plötzlich die Sonne und Pferde und Kühe grasten ungestört am Wegesrand:

Hinab ins Tal…

…und ab nach Tarifa über die viel befahrene Straße. Am Ende, war ich froh, diese spektakulären Anstiege gemacht und geschafft zu haben, zwischenzeitlich habe ich aber ganz schön an meiner Entscheidung, die von Martina damals in den Kommentaren vorgeschlagene Route übernommen zu haben, gezweifelt. Danke Martina, es hat am Ende als weitere Herausforderung getaugt! 😉

Morgen geht es dann aber wirklich rüber nach Afrika! Möglichst schon mit der 9 Uhr Fähre. Bis dahin!

2 Antworten auf „10. Tag: Zahora – Tarifa“

  1. Lieber Dirk,
    da hast Du Dir aber auch wirklich die Erholung und Nachtruhe nach den Strapazen der letzten Etappe verdient! Das war ja eine richtige Bergwertung heute. Ich wünsche Dir eine gute Und erholsame Nacht und eine sichere Überfahrt nach Afrika und einen guten Start auf dem neuen Kontinent! Herzliche Grüße aus Teltow von Martin & Meike

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