12.Tag: Larache – Kenitra

Ein Tag toller Begegnungen, aber auch der Bestätigungen einiger z T negativer Klischees.

Anfangs war es noch richtig neblig oben auf dem Berg und recht frisch. Bei der Abfahrt war ich trotz Langarmsportshirt schon kurz davor, meine Jacke raus zu holen. Aber dann war ich schon unten und wollte in Khemis wegen akuten Wassermangels eh einkehren. Ich hatte mir heute morgen mangels Wassers keinen Tee kochen können und was lag da also näher, als ins Teehaus zu gehen? Ich trank also meinen zweiten marokkanischen Tee und ließ mir die Wasserflaschen auffüllen. Das kostete dann 5 DH, also knapp 0,45ct. Nebenan beim Bäcker gab es leckere Brotfladen, wahlweise auch mit Käse oder Schokocreme bestrichen. Ich nahm ein blankes für 2,5 DH und knabberte ihn beim Fahren.

Unten im Tal durfte ich erstmal feststellen, dass meine Route nicht so wie geplant funktionieren konnte, da die Erweiterung einer Straße den Abzweig verschüttet hatte. Das war, wie sich noch herausstellte, der beste Umweg der bisherigen Reise. Es ging nämlich nun direkt durch Larache und nicht daran vorbei. Dieser Ort ist noch schöner als Asilah tags zuvor, da die Stadt auf Klippen über einer Flussmündung liegt und somit zum Beispiel diesen Ausblick aus dem Café für mich parat hielt:

Die ortsansässigen Katzen fanden mein Fahrrad höchst anziehend:

Auch Larache hat eine schöne, verwinkelte Medina und einen großen Platz mit religiösen Gesängen davor:

Beim Verlassen der Stadt bin ich auf das erste Angebot frischer Erdbeeren gestoßen. Allerdings hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich dem sehr Handelstüchtigen klar gemacht hatte, dass ich eine ganze Stiege weder transportieren noch vor dem Verderben essen könne. Am Ende waren wir wieder Freunde, es hat aber gedauert:

Nun kamen die Mühen der Ebene. Es war heiß und z T staubig und die Autos rauschten ganz schön schnell und eng an mir vorbei. Mehrmals überquerte ich die neue Bahntrasse…

…und am Abend hatte ich sogar das Vergnügen, den TGV von Casablanca nach Tanger einmal in live zu sehen.

Überall neben der Straße waren Massen an Menschen mit der Ernte von Erdbeeren, Tomaten, Orangen, Kräutern und Kartoffeln beschäftigt, aber immer wieder begegnete ich den vielen Schaf- oder Ziegenherden:

So, heute bereitete ich mir mal wieder eine neue Erfahrung und aß mein Abendbrot schon gegen 17 Uhr beim örtlichen Fleischer…

…direkt vom Grill: 1/2kg Kotletts, sehr lecker! Ja, besondere Situationen bedürfen außergewöhnlichem, den örtlichen Gepflogenheiten angepasstem Verhalten. 😉

Und dann kamen die Klischeekinder in den kleinen Orten auf die Straße gerannt und baten mich um „un style“, also Kugelschreiber. Ich dachte echt, dass hat sich mal langsam, aber es waren keine Einzelfälle. Und noch viel unangenehmer war, dass ich zweimal von Kindern mit (zugegeben kleinen) Steinen beworfen wurde. Ich war kurz davor, umzudrehen und die Kinder (auf deutsch, sonst kommt ja nur Gestammel) zusammen zu scheißen, was ihnen denn einfiele! Aber der nächste ist dran. Die in der Nähe befindlichen Erwachsenen schritten übrigens nicht ein. 😤

Aber es gab auch das positive Klischee: ich wurde mehrmals am Abend zum Essen und Übernachten eingeladen, habe aber dankend abgelehnt. Da liebe ich dich meine Unabhängigkeit und das allein sein zu sehr für. Auch wenn mein Schlafplatz heute zwischen der Autobahn und der TGV – Bahntrasse etwas unromantisch liegt:

Ach ja, zu guter letzt gibt es noch zwei „Marken“ zu berichten: die ersten 1000km sind vollbracht…

…und die erste Tagesetappe über 100km geschafft:

Daher war ich abends auch so müde, dass der Blogeintrag erst heute morgen fertig wurde.

Ich wünsche euch einen schönen Tag!

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