Nach Afrika mit dem Fahrrad! oder Wie alles anfing: Depression

Im Sommer 2014 nach unserem Umzug hatte ich meine erste depressive Phase. Nur wusste ich es erstmal gar nicht, denn ich war völlig überrascht: So eine Phase der Energie- und Antriebslosigkeit hatte ich noch nie erlebt. Und auch nicht erwartet. Schon gar nicht nach dem Umzug, bei dem ich so viel gewuppt hatte, z.B. unsere Küche auf ebay zu ersteigern und dann durch halb Deutschland zu schippern, einzulagern und nahezu perfekt aufzubauen. Und dann auf einmal dieses Loch, von dem ich lange nicht wusste, was es war. Aber ich konnte diese Phase in ca. 6 Wochen überwinden. Ohne große Hilfe von Außen.

Anfang 2016 schlich sich da wieder etwas ein. Mir schwante Böses, aber dieses Mal schien ich vorbereitet. Und zuversichtlich aus den Erfahrungen vom letzten Mal. „Das geht vorüber!“, dachte ich. Ja, ja, der Mensch denkt, das Universum lenkt… Monat um Monat verging, ohne deutliche Besserung. Ich wurde ungeduldig, sanftmütig, verzweifelt, demütig, rational, emotional… immer im Wechsel oder auch durcheinander.

Ende Mai hielt ich (und meine Frau) es nicht mehr aus und ich beschloss, mir Hilfe zu suchen. Warum ich damals zuerst zu meiner Hausärztin ging, kann ich heute gar nicht mehr so richtig erklären. Rückblickend betrachtet, hatte es aber einen entscheidenden Vorteil: Meine Hausärztin bestätigte mir quasi sofort, dass es sich um eine Depression handelt, sie sich das genauer ansehen müsse und mich für längere Zeit krank schreiben könne. Das wollte ich nicht, hat mir aber im weiteren Verlauf der Dinge, die zu diesem Projekt hier führten, eine enorme Stärke gegeben: ES WAR ERNST! Und das war nicht nur mein Eindruck (und der meiner Frau), sondern wurde mir nun auch von offizieller Stelle bestätigt. Wie angedeutet, der Weg führte mich quasi sofort weiter zu meiner schamanischen Lehrerin und Heilerin und zu zwei Begleitern aus meiner schamanischen Ausbildungsgruppe. Letztere gaben mir schnell gute Ratschläge, vor allem freundliche, freundschaftliche Unterstützung. Das ist nicht zu unterschätzen bei einem Thema, das in der öffentlichen Meinung (von der ich mich nicht gänzlich frei fühle), eher diffus als Schwäche interpretiert wird (Midlifecrisis etc.).

Aber meine Lehrerin nahm mich erstmal ordentlich zur Brust: „Depression ist erkaltete Wut!“, war ihre erste These. Was mich denn wütend mache und ich nicht ausdrücken würde, ihre logische nächste Frage. Ich war etwas ratlos und traute mich nach einigen Grübeleien kaum zu antworten: „Eigentlich nichts… alles was mich wütend macht, versuche ich zu benennen… es gibt da so ein paar Themen, die ich noch nicht richtig angegangen bin, aber da verspüre ich mehr Trauer als Wut.“ „Ok, kein Problem“, war ihre Antwort, „dann sehen wir uns mal unerfüllte, ungelebte Träume an. Gibt’s da was?“ Volltreffer! Es sprudelte nur so aus mir heraus:

  • Einen Achtausender besteigen
  • Afrika einmal mit dem Fahrrad durchqueren
    …waren noch aus meiner Jugend zurückgebliebene, unerfüllte Träume.
  • Unser mehrere Generationen umfassendes Begegnungshaus
  • Heilerisches Arbeiten
    …sind eher Träume aus der jüngeren Vergangenheit.

Daraufhin gab es einen Wechsel von „Warum hast du es bisher nicht getan? Was hindert dich?“ bis zu „Wie fühlt es sich an, wenn du an die Realisierung deiner Träume geht? Was kannst du dafür tun, dass sie real werden?“. Und es sprudelte nur so aus mir heraus! Es war nicht alles angenehm, was da zu Tage gefördert wurde, das meiste sogar war unangenehm. Wer gesteht sich schon gerne ein, dass er seine Träume aus den vielfältigsten, „schwer wiegenden“ Gründen nicht gelebt hat. Aber es sind nunmal „nur“ Gründe.

Ich hatte also richtig zu tun. Meine Träume auf feste Füße stellen, entscheiden, was will ich in meine Realität, meinen Alltag holen und vor allem: Wie? Die befreiende Idee war, die Ziele etwas abzuspecken, damit sie nicht zu sperrig für meine Lebenssituation sind und in meine Lebensplanung einsortiert werden können:

  • Also muss es jetzt kein Achttausender mehr sein, ein Viertausender reicht auch.
  • Es muss nicht ganz Afrika (von Nord nach Süd) sein, aber so viel wie „nötig“.
  • Das Mehrgenerationenhaus wird gedanklich den finanziellen und personellen Möglichkeiten angepasst, ist aber noch immer ein ganz schöner Brocken. Vor allem ein schöner!
  • Die heilerische Tätigkeit werde ich aufnehmen, sobald ich mich dazu in der Lage fühle, also sobald ich meine Dinge weitestgehend geklärt, im Trockenen oder auch nur angegangen habe. Mein Ziel vom Feuerlauf 2014, dies Ende 2016 erreicht zu haben, kann ich heute guten Gewissens in die Zukunft verschieben, Wahrscheinlich auf einen Zeitpunkt nach meiner Fahrradtour. Aber auch hier: Änderungen vorbehalten!

So entstand die Idee zu meinem Projekt „Nach Afrika mit dem Fahrrad“! Im Frühjahr 2018 möchte ich für ca. 3 Monate mit dem Fahrrad nach und durch Afrika reisen. Derzeit habe ich vor, in Frankreich an der Atlantikküste zu starten und immer an der Küste entlang über Spanien, Portugal und Gibraltar nach Marokko zu fahren. Dort möchte ich an der Küste weiter entlang reisen durch die Westsahara weiter nach „Schwarzafrika“, soweit es mich trägt. Ich möchte bewusst in Europa beginnen, um den Kulturwandel intensiv und deutlich zu erleben und nicht auf einen Schlag in die afrikanische Kultur einzutauchen.

So der Plan, Stand Dezember 2016. Änderungen vorbehalten, werden aber auch hier veröffentlicht.

2 Antworten auf „Nach Afrika mit dem Fahrrad! oder Wie alles anfing: Depression“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.