Arbeiten mit und gegen die Depression

In den letzten Beiträgen habe ich bereits Andeutungen über die aktuellen Veränderungen in meinem Alltag gemacht. Da ich inzwischen auch einiges positives Feedback in meinen Gesprächen über meinen Umgang mit meiner Depression bekommen habe, möchte ich heute einmal näher auf die Ereignisse, Veränderungen und meine Erfahrungen eingehen. Ich lade schon jetzt jedeN mit ähnlichen Erfahrungen, Fragen oder Problemen zu einem ehrlichen, intensiven und emphatischen Austausch ein. Meine Mission ist noch immer: Ich bringe Lebensfreude, indem ich mutig, voller Vertrauen und Leichtigkeit voran schreite.

Und heute?

Wer meinen Blog von Anfang an gelesen und verfolgt hat, wird verstanden haben (oder sich zumindest erinnern), dass meine Reise vor einem Jahr inspiriert war von dem Bestreben, etwas gegen meine Depressionen zu unternehmen. Am Ende der Reise berichtete ich davon, dass es mir gut gelungen war, meine Resilienz wahrzunehmen und daraus Stärke für meinen Alltag zu gewinnen. Der eine oder die andere mag sich fragen, wie es mir seither ergangen ist. Zumal es ja bekannt ist, dass sich die Euphorie einer außergewöhnlichen Situation idR schlecht in den Alltag mitnehmen lässt.

Ein Jahr später…


Heute vor einem Jahr ging meine Reise los. Um diese Zeit saß ich im Flugzeug nach Lissabon, meinem Startpunkt. Nach der aufregenden Zeit im Vorfeld, ich hatte ernsthaft in Erwägung gezogen, die Reise abzusagen, wenn ich nur einen triftigen Grund dafür finden würde, war ich während des Fluges erstaunlich ruhig und fokussiert. Ich war froh, dass es endlich los ging, dass ich alles, was ich mir im Kopf ausgemalt hatte, überprüfen, erleben und er-fahren durfte. Mein überschaubares Gepäck inklusive meines Fahrrades hatte ich sehr früh aufgegeben, am Flughafen wurde ich von meiner Frau und meinem Freund Thomas herzlich verabschiedet.

Wie war eigentlich… der Senegal?

Der Senegal war ja mein großes Ziel: das erste Land in Schwarzafrika! Die Annäherung über Portugal, Spanien, Marokko und nicht zuletzt Mauretanien hat sich gelohnt: ich war erfreut über die freundlichen, aufgeschlossenen und auch (wie berichtet) hübschen Menschen, die mir sofort nach der Grenze begegneten. Die Senegalesen sind sehr viel lebensfreudiger und lustiger als alle anderen zuvor. Das Leben findet auf der Straße statt, das mag für einen Europäer gewöhnungsbedürftig sein, erzeugt aber eine Offenheit, die kaum zu toppen ist. Wenn man sich einlassen kann und will (und die Sprache leidlich beherrscht 🙄), findet mensch schnell Anschluss. Bei mir schwankte das aufgrund meiner geringen Sprachkenntnisse etwas. Sprachbarrieren sind wirklich doof und extrem hinderlich für einen natürlichen, ungezwungenen Austausch. Also: nächstes Mal (wenn es das gibt) möchte ich vorher besser Französisch lernen bzw praktizieren.

Gedanken am Ende der Reise

Ich sitze im Flugzeug nach Lissabon und an mir flitzen die Bilder der Reise vorbei. Bei allen habe ich angenehme, warme Gefühle der Verbundenheit. Das ist schön und ich genieße das Gefühl sehr. Es war ja nicht von vorneherein klar, dass es so werden würde. Im Gegenteil, ich habe eher mit unangenehmen Gefühlen wie Angst, Einsamkeit, Verzweiflung oder Unbehagen gerechnet. Wie schön, dass es anders gekommen ist!

44. Tag: M’Bour – Dakar Flughafen

Der letzte Tag und er hatte mir noch einige schöne Erlebnisse zu bieten mit denen ich so gar nicht mehr gerechnet hatte.

Nachts kam mich wirklich ein großer Krebs besuchen und setzte sich unter die Absiss meines Zeltes und machte mich wach durch sein Geraschel, aber als ich die Taschenlampe auf ihn richtete, versuchte er schnell abzuhauen. Allerdings brauchte er einen Moment, um sich unter der Zeltwand durchzuzwängen. 😅

Morgens war es diesig und ich wollte noch gar nicht los, also machte ich einen Strandspaziergang und ärgerte mich hoffentlich zum letzten Mal über all den Müll, der hier in der wunderschönen Natur herumliegt:

43. Tag: M’Bour – Joal Fadiouth – Warang

Mit einem letzten Frühstück auf der Terrasse im ersten Stock ging der Aufenthalt in unserem kleinen Paradies in M’Bour zu Ende:

Ein letztes konnte ich Boukar beim Reinigen des Pools beobachten, dann hieß es auch schon Abschied nehmen:

Ich radelte die Straße nach Süden durch die sehr touristisch geprägten Orte Warang und Nianing nach Joal. Am Strand legte ich eine Mittagspause ein und wurde von ein paar Hunden gecheckt, ohne aber angebellt oder angebettelt zu werden:

Mein Outing

Da ja Lydia hier schon so mutig war, sich mit Ihrem Trauma zu outen, will ich ihr nicht nachstehen und mein Thema benennen und angehen (meine MKP-Männer dürften wissen, was jetzt kommt 😉):

Mein Thema ist mein schlechtes Verhältnis zu Geld! Geld ist für mich nicht ein Tauschmittel, sondern sehr emotional schlecht besetzt. Das liegt an meiner Familiengeschichte.

Um das aber zu ändern, hier mein konkretes Anliegen: das Ändern meiner Reisepläne, indem ich Lydia und Emilia in den Senegal eingeladen habe, ist mein Reisebudget deutlich überstrapaziert worden und mein Konto tief in den roten Zahlen. Als Anhaltspunkt: ich habe 1500€ mehr ausgegeben.

41.+42. Tag: M’Bour

Ja, wir bewegen und kaum aus unserem kleinen Paradies heraus und haben daher auch nicht so viel zu erzählen. Gestern waren wir im Hochseilgarten Accro Baobab und haben uns die Bäume und den Parcours angesehen. Allerdings wollte keine diesen in der Mittagshitze erleben, so dass wir nur einer deutschen Familie (bzw deren halbwüchsigen Töchtern) bei einer kalten Brause zusahen:

Auf dem Rückweg haben wir noch einen Kühlschrankkarton abgeholt, den ich bei meiner Rückreise für mein Fahrrad benutzen will. Hierbei versuchte mich der Eisenwarenhändler mal wieder über das Ohr zu hauen und 10.000 cfa kassieren. Zum Glück verstand ich 2000 (klingt im französischen sehr ähnlich) und beharrte darauf oder er könne den Karton behalten. Er lachte und war zufrieden. Geht doch!💪

Traumaheilung

Ich möchte mich hier outen. Nicht vielleicht, wie Ihr denken könntet. Ich möchte über die Erfahrung mit dem sexuellen Übergriff am Strand schreiben, den Dirk schon erwähnt hat. Die Situation war für mich schon brenzlig (wer den Artikel von Dirk nicht gelesen hat: uns hat ein Mann verfolgt, der sein sexuelles Interesse an mir sehr öffentlich deutlich gemacht hat), zumal auch noch unsere Jüngste dabei war. Ich war sehr verunsichert, wie frau sich gegenüber den Einheimischen verhalten soll, so dass sie ablassen. Ich war sehr irritiert und ängstlich und es hat mich in eine Lage gebracht, die ich schon lange nicht mehr gefühlt hatte: ich war das Opfer… ich fühlte mich als Opfer und so bin ich, rückblickend gesehen, auch leider an den Strand gegangen. Ich war nicht in meiner Kraft, in der Kraft, die ich so lange geübt habe, nachdem ich als Kind missbraucht wurde und sexuelle Übergriffe diverser Art von Männern erfahren hatte.